- Ihr wollt verkaufen, nicht Software warten
- Niemand im Team fühlt sich für Updates und Backups zuständig
- Ihr braucht einen Checkout, der auf Mobil nachweislich funktioniert
- Zahlungsausfall durch ein kaputtes Plugin wäre ein echtes Problem
- Multi-Currency und mehrere Märkte stehen auf dem Plan
- Ihr habt bereits eine WordPress-Site mit Reichweite und Rankings
- Content ist euer Hauptkanal, der Shop hängt daran
- Ihr habt jemanden im Haus oder eine Agentur, die dauerhaft wartet
- Ihr braucht Zugriff auf jede Zeile Code und eigene Datenfelder
- Euer Sortiment ist klein oder ihr verkauft Digitales und Mitgliedschaften
| Kriterium | Shopify | WooCommerce |
|---|---|---|
| Lizenzkosten Software | ab €22/Monat | €0, Open Source |
| Hosting | inklusive | €20 bis €250/Monat |
| Wer wartet das System | Shopify | ihr oder eure Agentur |
| Sicherheits-Updates | automatisch | manuell, laufend |
| Checkout | Shop Pay, One-Click | Standard oder Plugin |
| Transaktionsgebühr extern | 0,6 bis 2 % | keine |
| Content und Blog | einfach gehalten | WordPress, sehr stark |
| Erweiterungen | 8.000+ Apps | 60.000+ Plugins |
| Plugin-Konflikte | selten | häufigste Fehlerquelle |
| Datenstandort | EU (Irland) und USA | frei wählbar |
| Time-to-Market | 4 bis 10 Wochen | 6 bis 14 Wochen |
| Skalierung bei Lastspitzen | automatisch | Hosting-abhängig |
| SEO-Kontrolle | mittel, URL-Struktur fix | hoch, volle Kontrolle |
| 3-Jahres-Kosten (€500k) | ~€68.000 | ~€61.000 |
Was ist was
Ein Produkt gegen einen Baukasten.
Shopify ist ein fertiges Produkt. Ihr bucht einen Plan, und alles darunter gehört jemand anderem: Server, Sicherheit, Updates, CDN, Skalierung. Ihr könnt an dieser Infrastruktur nichts kaputt machen, aber auch nichts daran ändern. Für den Großteil der Händler ist genau das der Punkt.
WooCommerce ist ein Plugin für WordPress. Es macht aus einer Website einen Shop und ist selbst kostenlos. Alles drumherum besorgt ihr: Hosting, Theme, Zahlungsanbindung, Versandregeln, Backups, SSL. WordPress betreibt einen großen Teil des Webs, entsprechend groß ist das Ökosystem und entsprechend gut findet ihr für jedes Problem eine Erweiterung.
Der Unterschied, der im Alltag zählt: Bei Shopify ist die Frage „warum ist der Shop down" fast nie eure. Bei WooCommerce ist sie immer eure.
Kosten
Warum kostenlos nicht günstig heißt.
Der Vergleich, den die meisten anstellen, lautet: Shopify ab 32 Euro im Monat gegen WooCommerce für null. So gerechnet gewinnt WooCommerce jedes Mal. Nur zahlt niemand null, sobald ein Shop echtes Geld umsetzt.
Was bei WooCommerce wirklich anfällt: ordentliches Hosting für einen Shop mit Traffic liegt bei 40 bis 250 Euro im Monat, weil geteiltes Billig-Hosting unter Last einbricht. Dazu kommen kostenpflichtige Erweiterungen für Dinge, die bei Shopify eingebaut sind: Versandregeln, Abo-Modelle, ordentliche Buchhaltungs-Anbindung, ein Checkout, der auf dem Handy Bestand hat. Realistisch landet ihr bei 400 bis 1.500 Euro im Jahr allein für Plugin-Lizenzen. Und dann die Position, die fast nie im Angebot steht: jemand muss Updates einspielen und prüfen, ob danach noch alles funktioniert.
Wo Shopify teurer wird: an der Transaktionsgebühr. Wenn ihr einen externen Zahlungsanbieter nutzt statt Shopify Payments, zieht Shopify je nach Plan 0,6 bis 2 Prozent vom Umsatz ab, zusätzlich zu dem, was der Zahlungsanbieter nimmt. Bei 500.000 Euro Jahresumsatz sind das schnell 3.000 bis 10.000 Euro pro Jahr. Diese Gebühr ist der Hauptgrund, warum Shopify bei wachsendem Umsatz seinen Preisvorteil verliert.
Die ehrliche Antwort: Bei kleinem Umsatz und einem Team, das WordPress ohnehin bedient, ist WooCommerce günstiger. Sobald der Shop relevant Umsatz macht und niemand die Wartung übernehmen will, dreht sich das Bild, weil die Stunden teurer sind als die Lizenz.
WooCommerce ist gratis wie ein Welpe gratis ist. Die Anschaffung ist nicht das Thema.
Wartung
Wer räumt auf, wenn ein Update etwas zerlegt?
Das ist der Punkt, an dem wir in Erstgesprächen am häufigsten Stirnrunzeln auslösen, und der Punkt, der später am meisten Geld kostet.
Ein WooCommerce-Shop besteht aus WordPress, dem WooCommerce-Plugin, einem Theme und typisch fünfzehn bis dreißig weiteren Plugins. Jedes davon wird von einem anderen Team gepflegt, in eigenem Rhythmus. Wenn WordPress eine neue Hauptversion bringt, ziehen die Plugins irgendwann nach. Bis dahin kann es Reibung geben, und Reibung im Checkout heißt: es wird nicht bestellt.
Wir haben Shops übernommen, in denen monatelang keine Bestellung ankam, weil ein Update die Zahlungsanbindung stillgelegt hatte. Niemandem war es aufgefallen, weil niemand zuständig war. Das ist kein Argument gegen WooCommerce, es ist ein Argument dafür, die Wartung von Anfang an einzuplanen und jemandem zu geben.
Bei Shopify existiert diese Klasse von Problemen nicht. Updates laufen im Hintergrund, rückwärtskompatibel. Apps können Ärger machen, aber sie können den Checkout nicht stilllegen, weil der Checkout Shopify gehört. Dafür könnt ihr am Checkout unterhalb des teuersten Plans auch wenig ändern.
Ein Shop, für dessen Updates sich niemand zuständig fühlt, ist kein günstiger Shop. Er ist ein Ausfall mit Terminverzögerung.
Content und SEO
Wo WooCommerce klar vorne liegt.
Wenn eure Kunden über Suche und Inhalte kommen, ist das der Abschnitt, der die Entscheidung trägt.
WordPress ist als Redaktionssystem gebaut, und WooCommerce erbt das komplett. Kategorien, Verschlagwortung, Autorenprofile, mehrstufige Seitenstrukturen, freie URL-Struktur, saubere interne Verlinkung zwischen Ratgeber und Produkt: alles ohne Umweg. Dazu Erweiterungen für strukturierte Daten und technisches SEO, die seit über einem Jahrzehnt gereift sind.
Shopify ist als Verkaufssystem gebaut. Der Blog ist funktional und mehr nicht. Die URL-Struktur ist teilweise fest vorgegeben, jedes Produkt liegt unter /products/, jede Kategorie unter /collections/. Damit kann man arbeiten, es kostet nur mehr Sorgfalt. Für reine Produktsuchen ist das kein Nachteil, für Ratgeber-getriebenen Aufbau ist es einer.
Unsere Faustregel: Wenn euer Plan lautet „wir bauen Reichweite über Inhalte auf und verkaufen daraus", ist WordPress mit WooCommerce der kürzere Weg. Wenn er lautet „wir bringen bezahlten Traffic auf Produktseiten und optimieren die Conversion", ist Shopify der kürzere Weg. Wie wir SEO aufbauen, funktioniert auf beiden Systemen, nur mit anderem Aufwand.
Checkout und Conversion
Wo Shopify das Geld zurückholt.
Der Checkout ist die Stelle, an der ein Shop Geld verdient oder verliert, und Shopify hat hier über Jahre den größten Vorsprung aufgebaut.
Shop Pay speichert Zahlungs- und Lieferdaten geräteübergreifend. Ein Kunde, der schon einmal in irgendeinem Shopify-Shop gekauft hat, bestellt bei euch mit einer Bestätigung statt mit einem Formular. Auf dem Handy ist der Unterschied zwischen zwölf Eingabefeldern und einem Klick nicht kosmetisch, er entscheidet über den Kauf.
Bei WooCommerce ist der Checkout ein Formular auf eurer Seite. Er lässt sich frei umbauen, und genau das ist Chance und Risiko zugleich: ihr könnt ihn exakt auf euren Fall zuschneiden, ihr könnt ihn aber auch durch ein unbedacht installiertes Plugin verlangsamen. Gute WooCommerce-Checkouts gibt es, sie sind nur Arbeit, nicht Voreinstellung.
Deshalb rechnen wir die Transaktionsgebühr von Shopify nie isoliert. Wenn ein besserer Checkout die Abbruchquote spürbar senkt, ist die Gebühr bezahlt, bevor sie wehtut. Ob das bei euch aufgeht, hängt am Anteil mobiler Bestellungen und daran, wie viele eurer Kunden Shop Pay bereits kennen.
DSGVO
Datenschutz im DACH-Raum.
WooCommerce hat hier den strukturellen Vorteil, weil ihr entscheidet, wo die Daten liegen. Ein Server bei einem deutschen oder österreichischen Anbieter, Bestell- und Kundendaten in eurer eigenen Datenbank, keine Übermittlung in ein Drittland durch die Plattform selbst. Für Branchen mit strengen Vorgaben ist das oft die einzige Variante, die durch die Prüfung kommt.
Shopify ist für den Normalfall sauber aufsetzbar. Daten europäischer Kunden liegen in Irland, die Rechtsgrundlage für Übermittlungen in die USA ist das EU-US Data Privacy Framework. Einzelne Funktionen im Marketing- und Zahlungsbereich berühren trotzdem US-Systeme. Mit korrekt konfigurierter Einwilligung ist das für den allergrößten Teil der Händler tragfähig, es bleibt aber eine Abhängigkeit von einem Rahmenwerk, das schon zweimal gekippt wurde.
Wichtig, weil es oft verwechselt wird: WooCommerce ist nicht automatisch datenschutzkonform. Ein WordPress-Shop mit zwanzig Plugins, von denen die Hälfte Schriften und Skripte von fremden Servern nachlädt, ist es sicher nicht. Der Vorteil ist die Kontrolle, nicht das Ergebnis.
Migration
Der Wechsel, und was er kostet.
WooCommerce zu Shopify ist der Weg, den wir am häufigsten begleiten. Produkte, Kunden und Bestellungen lassen sich zuverlässig übertragen. Aufwendig sind drei Dinge: die Weiterleitung aller alten Adressen auf die neuen, damit die Rankings nicht wegbrechen, der Umbau von Abo-Modellen, und Funktionen, für die es kein direktes Gegenstück gibt. Rechnet mit sechs bis zwölf Wochen für einen mittleren Shop.
Shopify zu WooCommerce kommt seltener vor, und meist aus einem von zwei Gründen: die Transaktionsgebühr ist bei stark gewachsenem Umsatz zu einem echten Posten geworden, oder es gibt eine Anforderung, die Shopify unterhalb des teuersten Plans nicht abbildet. Der Weg ist machbar, aber ihr tauscht eine Plattformgebühr gegen dauerhafte Wartungsverantwortung. Diese Rechnung geht nur auf, wenn jemand diese Verantwortung tatsächlich übernimmt.
Was in beiden Richtungen gilt: der Umzug der Daten ist der einfache Teil. Der Erhalt der Sichtbarkeit ist der Teil, an dem Projekte scheitern. Wenn jemand eine Migration in wenigen Tagen verspricht, ist die Weiterleitungs-Karte nicht Teil des Angebots.