- Eure Kunden finden euch über Suchanfragen und Ratgeber
- Ihr veröffentlicht regelmäßig und wollt daraus Reichweite bauen
- Der Shop ist ein Teil des Geschäfts, nicht das ganze
- Ihr braucht Landingpages, Fallstudien, Wissensbereiche und einen echten Blog
- Ihr wollt jede Adresse und jedes Feld selbst bestimmen
- Der Verkauf ist der Zweck der Seite, nicht ein Anhang
- Ihr habt hunderte Artikel mit Varianten, Lager und Versandregeln
- Bezahlter Traffic ist ein Hauptkanal
- Der Checkout soll auf dem Handy ohne Nacharbeit funktionieren
- Niemand bei euch soll Server, Updates oder Sicherheit betreuen
| Kriterium | WordPress | Shopify |
|---|---|---|
| Grundzweck | Inhalte veröffentlichen | Produkte verkaufen |
| Lizenzkosten | €0, Open Source | ab €22/Monat |
| Hosting | selbst zu besorgen | inklusive |
| Redaktion und Blog | Referenzklasse | einfach gehalten |
| Adressstruktur | völlig frei | teilweise vorgegeben |
| Shop-Funktion | über WooCommerce | im Kern eingebaut |
| Checkout | Formular, anpassbar | Shop Pay, One-Click |
| Lager und Varianten | Erweiterung nötig | nativ |
| Wartung | eure Aufgabe | Shopify |
| Mehrsprachigkeit | Erweiterung | nativ über Märkte |
| Zahlungsanbieter | frei, ohne Plattformgebühr | 0,6 bis 2 % extern |
| Ladezeit ab Werk | Hosting-abhängig | global verteilt |
| Erweiterbarkeit | 60.000+ Plugins | 8.000+ Apps |
| Time-to-Market | 6 bis 14 Wochen | 4 bis 10 Wochen |
Die eigentliche Frage
Zwei Systeme, die verschiedene Fragen beantworten.
WordPress ist ein Redaktionssystem. Es ist dafür gebaut, dass Menschen Inhalte veröffentlichen, strukturieren und auffindbar machen. Ein Shop lässt sich mit WooCommerce ergänzen und funktioniert gut, aber er ist eine Erweiterung eines Systems, dessen Kern das Publizieren ist.
Shopify ist ein Verkaufssystem. Lager, Varianten, Versandregeln, Steuersätze, Checkout, Zahlungsanbieter: alles im Kern. Inhalte lassen sich veröffentlichen, aber der Blog ist funktional und mehr nicht. Er ist eine Erweiterung eines Systems, dessen Kern der Verkauf ist.
Wenn ihr also fragt „was ist besser", fragt ihr eigentlich: Womit verdienen wir Geld? Kommen die Kunden, weil sie eine Frage hatten und ihr die beste Antwort geschrieben habt, gehört das Fundament WordPress. Kommen sie, weil sie ein Produkt suchen oder eine Anzeige gesehen haben, gehört es Shopify.
Fragt nicht, welches System besser ist. Fragt, ob eure Kunden zuerst eine Frage haben oder zuerst einen Warenkorb.
SEO
Warum WordPress bei Inhalten uneinholbar ist.
Das ist der Bereich, in dem der Abstand am größten ist, und der Grund, warum wir Content-getriebenen Marken selten zu Shopify raten.
Die Adressstruktur. Bei WordPress bestimmt ihr jede Adresse selbst. Ein Ratgeber kann unter /ratgeber/thema/ liegen, eine Kategorie unter /kategorie/, und ihr könnt eine Themenwelt so aufbauen, wie Suchmaschinen sie lesen sollen. Bei Shopify liegt jedes Produkt unter /products/ und jede Kategorie unter /collections/. Das ist kein Ranking-Killer, es kostet nur Beweglichkeit genau dort, wo strategisches SEO stattfindet.
Die Verlinkung zwischen Inhalt und Produkt. Der wirksamste SEO-Hebel im Handel ist, dass ein Ratgeber-Artikel Kaufabsicht erzeugt und direkt aufs passende Produkt zeigt. WordPress macht das trivial. In Shopify braucht dieselbe Struktur Handarbeit oder eine App.
Die Werkzeuge. Rund um WordPress sind über Jahre SEO-Erweiterungen gereift, die strukturierte Daten, Weiterleitungen, Sitemaps und Auszeichnungen zuverlässig abdecken. Shopify hat solide Grundlagen ab Werk, aber weniger Tiefe.
Fairerweise: Shopify-Shops ranken gut. Sie ranken für Produktsuchen. Was schwerer fällt, ist der Aufbau über informationsgetriebene Suchanfragen, also genau der Kanal, der langfristig am günstigsten ist. Wie wir das aufbauen, funktioniert auf beiden Systemen, auf WordPress mit weniger Widerstand.
Verkaufen
Warum Shopify beim Verkauf gewinnt.
Sobald es um den eigentlichen Handel geht, dreht sich das Bild vollständig.
Was bei Shopify einfach da ist: Varianten mit eigenen Preisen und Beständen, Lagerführung über mehrere Standorte, Versandregeln nach Gewicht, Zone und Wert, korrekte Steuersätze für den EU-Fernverkauf, verlassene Warenkörbe mit automatischer Erinnerung, Rabattlogik, Geschenkkarten, Retourenabwicklung. Das ist keine Liste von Erweiterungen, das ist der Lieferumfang.
Bei WordPress ist jeder dieser Punkte eine Entscheidung. Welche Erweiterung, welche Lizenz, welche Kombination verträgt sich mit den anderen. Es funktioniert, wir haben es oft gebaut, aber ihr baut ein System aus Teilen zusammen, die von verschiedenen Teams stammen und in verschiedenem Rhythmus aktualisiert werden.
Und dann der Checkout. Shop Pay kennt wiederkehrende Käufer geräteübergreifend. Wer schon einmal irgendwo auf Shopify gekauft hat, bestellt bei euch mit einer Bestätigung statt mit zwölf Feldern. Auf dem Handy ist das der einzelne größte Unterschied zwischen den Systemen, und er zeigt sich direkt in der Bestellquote.
Kosten
Was drei Jahre wirklich kosten.
WordPress beginnt bei null für die Software und endet bei dem, was Hosting, Erweiterungen und Wartung ausmachen. Ein ernsthaft betriebener Auftritt mit Shop liegt bei 1.800 bis 4.000 Euro im Jahr an laufenden Kosten, bevor Entwicklung dazukommt. Der große Posten ist nicht die Lizenz, es sind die Stunden für Updates und deren Kontrolle.
Shopify beginnt bei 32 Euro im Monat und wird über zwei Wege teurer: über den Plan, wenn ihr mehr Funktionen braucht, und über die Transaktionsgebühr, wenn ihr einen externen Zahlungsanbieter nutzt. Diese Gebühr wächst mit dem Umsatz und ist der Grund, warum Shopify bei großen Shops seinen Kostenvorteil verliert.
Der Posten, den fast jedes Angebot verschweigt: Wer pflegt das System in Jahr zwei und drei? Bei Shopify niemand bei euch, das ist im Preis. Bei WordPress braucht ihr eine feste Zuständigkeit. Rechnet ihr diese Stunden ehrlich mit, liegen beide Systeme bei mittleren Shops erstaunlich nah beieinander.
Der dritte Weg
Beide Systeme parallel betreiben.
Es gibt eine Variante, die in Vergleichen selten vorkommt und für manche Marken die beste ist: WordPress für Inhalte, Shopify für den Verkauf, verbunden unter einer Domain.
Der Aufbau: die Hauptdomain trägt die WordPress-Site mit Ratgebern, Fallstudien und Landingpages. Der Shop liegt auf einer Unterdomain oder in einem Unterverzeichnis auf Shopify. Kaufabsicht entsteht im Inhalt, der Abschluss passiert im dafür gebauten System.
Wann das sinnvoll ist: wenn Inhalte messbar Umsatz bringen und gleichzeitig euer Handel zu komplex für WooCommerce geworden ist. Wenn ihr über Jahre Rankings aufgebaut habt, die ihr nicht aufs Spiel setzen wollt, aber einen Checkout braucht, der trägt.
Was es kostet: zwei Systeme statt eines. Zwei Pflegezyklen, zwei Designs, die zusammenpassen müssen, und eine saubere Verbindung, damit sich der Übergang für Besucher nicht wie ein Sprung anfühlt. Das ist Mehraufwand, und er lohnt sich nur, wenn beide Seiten wirklich tragen. Für kleine Shops ist es der falsche Weg.
Manchmal ist die richtige Antwort auf „welches System" nicht eines von beiden, sondern beide an der Stelle, an der sie stark sind.
Wartung
Was in Jahr zwei passiert.
Systeme werden nicht beim Start verglichen, sondern zwei Jahre danach. Da sieht es so aus:
Der Shopify-Shop läuft. Updates sind passiert, ohne dass jemand etwas gemerkt hat. Vielleicht ist eine App teurer geworden, vielleicht steht ein Plan-Wechsel an. Der Aufwand entsteht durch Wachstum, nicht durch Verfall.
Die WordPress-Site ist genau so gut wie ihre Pflege. Gut betreut läuft sie schnell und stabil, und ihr habt Freiheiten, die Shopify nie bieten wird. Unbetreut hat sie zwölf veraltete Erweiterungen, eine PHP-Version, die niemand mehr aktualisiert, und ein Kontaktformular, das seit vier Monaten nichts zustellt.
Wir übernehmen regelmäßig Projekte in genau diesem Zustand. Die Ursache ist nie das System, es ist die fehlende Zuständigkeit. Wenn ihr WordPress wählt, gehört ein Wartungsvertrag zur Entscheidung dazu, nicht als Zusatz, sondern als Teil davon.