- Euer Jahresumsatz liegt unter etwa einer Million Euro
- Ihr nutzt Shopify Payments und zahlt ohnehin keine Plattformgebühr
- Ein Shop und ein Markt reichen euch
- Der Standard-Checkout deckt euren Ablauf ab
- B2B ist bei euch kein Thema oder läuft über einen separaten Weg
- Ihr macht über eine Million Euro Umsatz mit externem Zahlungsanbieter
- Ihr braucht echte B2B-Funktionen: Firmenkonten, Preislisten, Nettopreise
- Mehrere Marken oder Länder sollen unter einem Konto laufen
- Der Checkout muss über die Standardschritte hinaus angepasst werden
- Eure Abläufe brauchen Automatisierung, die über Apps hinausgeht
| Kriterium | Advanced | Plus |
|---|---|---|
| Grundgebühr / Monat | €384 (€289 jährlich) | ab €2.100 |
| Kartengebühr | 1,7 % + €0,25 | verhandelbar, niedriger |
| Gebühr externer Anbieter | 0,6 % | 0,2 % |
| Shops im Tarif | 1 | bis zu 10 |
| B2B nativ | nein | ja, im Kern |
| Checkout anpassbar | nur im Rahmen | per Checkout-Erweiterung |
| Automatisierung (Flow) | eingeschränkt | voller Umfang |
| Mitarbeiterkonten | 15 | unbegrenzt |
| API-Limits | Standard | deutlich höher |
| Betreuung | Support rund um die Uhr | fester Ansprechpartner |
| Vertragsbindung | monatlich kündbar | meist 12 bis 36 Monate |
| Testumgebung | Entwicklungs-Shop | vollwertige Kopie |
| Ladezeit und Technik | identisch | identisch |
| Break-even (extern zahlend) | bis ~€3,4 Mio. | ab ~€3,4 Mio. |
Der Unterschied
Gleiche Technik, anderer Handlungsspielraum.
Ein Missverständnis vorweg, weil es fast jedes Erstgespräch prägt: Plus macht euren Shop nicht schneller. Die Technik darunter ist identisch. Gleiche Server, gleiche Auslieferung, gleiche Ladezeiten. Wer wegen der Geschwindigkeit über Plus nachdenkt, sucht an der falschen Stelle.
Was Plus tatsächlich liefert, sind drei Dinge: niedrigere Gebühren bei hohem Umsatz, Funktionen, die es unterhalb schlicht nicht gibt, und mehr Spielraum an den Rändern der Plattform, also beim Checkout, bei Schnittstellen-Limits und bei der Automatisierung.
Deshalb ist Plus keine Qualitätsstufe, sondern eine Rechenfrage plus eine Funktionsfrage. Wenn eine der beiden klar mit Ja beantwortet wird, lohnt es sich. Wenn beide nur mit Vielleicht, ist es zu früh.
Plus macht euren Shop nicht schneller. Wer deshalb wechselt, kauft für 25.000 Euro im Jahr das falsche Problem.
Die Rechnung
Wo genau liegt der Break-even?
Der Punkt lässt sich exakt bestimmen, wenn man ihn an der richtigen Zahl festmacht. Entscheidend ist nicht euer Umsatz allein, sondern ob ihr Shopify Payments nutzt oder einen externen Zahlungsanbieter.
Fall eins: ihr nutzt einen externen Anbieter. Advanced zieht dann 0,6 Prozent Plattformgebühr vom Umsatz ab, Plus nur 0,2 Prozent. Die Ersparnis beträgt also 0,4 Prozent. Der Aufpreis von Plus liegt bei rund 1.716 Euro im Monat, also etwa 20.600 Euro im Jahr. Das ergibt einen Break-even bei ungefähr 5,1 Millionen Euro Jahresumsatz, wenn ihr rein über die Gebühr rechnet. Zieht man realistische Verhandlungsspielräume bei den Kartengebühren mit ein, verschiebt sich der Punkt auf etwa 3,4 Millionen Euro.
Fall zwei: ihr nutzt Shopify Payments. Dann zahlt ihr auf Advanced ohnehin keine zusätzliche Plattformgebühr. Der Vorteil von Plus schrumpft auf die verhandelbaren Kartengebühren, und die bewegen sich in Zehntelprozent-Bereichen. Über die reine Gebührenrechnung wird sich Plus in diesem Fall fast nie tragen.
Die ehrliche Konsequenz: Die meisten Shops, die zu Plus wechseln, tun es nicht wegen der Gebühren. Sie tun es, weil sie eine Funktion brauchen, die es unterhalb nicht gibt. Und das ist auch die bessere Begründung, weil sie sich nicht wegdiskutieren lässt.
B2B
Der häufigste echte Grund für Plus.
Wenn ein Kunde bei uns zu Plus wechselt, geht es in den meisten Fällen um Geschäftskunden. Denn B2B auf Shopify existiert unterhalb von Plus schlicht nicht, jedenfalls nicht als Funktion der Plattform.
Was Plus im B2B mitbringt: Firmenkonten mit mehreren Bestellern, kundenindividuelle Preislisten und Mengenstaffeln, Nettopreis-Darstellung mit Steuerbefreiung, Zahlung auf Rechnung mit Zahlungsziel, Entwurfsbestellungen zur Freigabe, kundenspezifische Kataloge. Alles im Kern, ohne App.
Der Workaround unterhalb von Plus heißt: Kundengruppen und Preislogik über Apps nachbauen. Das funktioniert für einfache Fälle. Es funktioniert nicht gut, wenn ein Einkäufer für drei Standorte mit unterschiedlichen Konditionen bestellt und die Buchhaltung Rechnungen mit dreißig Tagen Ziel erwartet. Dann stapelt ihr drei bis vier Apps übereinander, zahlt dafür 300 bis 600 Euro im Monat, und habt ein Konstrukt, das bei jedem Update Aufmerksamkeit braucht.
Rechnet man diese App-Kosten gegen den Plus-Aufpreis, sieht die Sache anders aus als in der reinen Gebührenrechnung. Und man vergleicht dann nicht mehr Preise, sondern ein stabiles System gegen ein zusammengestecktes.
Drei Apps übereinander, die zusammen B2B ergeben sollen, sind kein günstigeres B2B. Sie sind eine Wartungsaufgabe mit Rechnung.
Checkout
Was ihr an der wichtigsten Seite ändern dürft.
Der Checkout ist die Seite, an der euer Geld entsteht, und Shopify schützt sie streng. Unterhalb von Plus könnt ihr Farben, Logo und Schrift anpassen sowie einzelne Felder ein- und ausblenden. Das war es im Wesentlichen.
Mit Plus kommen Checkout-Erweiterungen dazu. Damit lassen sich eigene Bausteine an definierten Stellen einsetzen: ein Feld für die Bestellnummer des Kunden, ein Hinweis zur Lieferzeit abhängig vom Warenkorb, ein Zusatzverkauf vor dem Abschluss, eine Prüfung der Lieferadresse gegen eure Zonen, ein Feld für die Umsatzsteuer-Nummer bei Geschäftskunden.
Wann das wirklich zählt: im B2B, wo Bestellreferenzen und Freigaben zum Ablauf gehören. Bei erklärungsbedürftigen Produkten, wo im Checkout noch eine Angabe fehlt. Bei komplexem Versand, wo die Lieferzeit vom Warenkorb abhängt.
Wann es überschätzt wird: bei klassischem D2C. Der Standard-Checkout von Shopify ist an Millionen Bestellungen optimiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass eure Anpassung ihn besser macht, ist geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass sie ihn verlangsamt. Wir raten hier grundsätzlich zur Zurückhaltung, auch wenn der Tarif es erlaubt.
Mehrere Shops
Wenn zehn Shops in einer Gebühr stecken.
Das ist die Rechnung, die am häufigsten übersehen wird. Plus enthält bis zu zehn Shops in der Grundgebühr.
Wer heute drei Länder mit drei getrennten Advanced-Shops bedient, zahlt 1.152 Euro im Monat allein an Grundgebühren, plus dreimal dieselben Apps, plus dreifache Pflege. Der Abstand zu Plus ist damit kleiner, als die Einzelpreise vermuten lassen, und bei fünf oder mehr Shops kippt die Rechnung vollständig.
Wichtig zu wissen: Shopify Märkte deckt mehrere Länder, Währungen und Sprachen bereits innerhalb eines Shops ab, auch unterhalb von Plus. Getrennte Shops braucht ihr erst, wenn sich die Sortimente wirklich unterscheiden, wenn ihr mehrere Marken führt, oder wenn getrennte Rechtsträger dahinterstehen.
Unsere Empfehlung: Prüft zuerst, ob Märkte reicht. Sehr oft reicht es, und dann fällt dieses Argument für Plus weg. Wenn ihr aber echte Mehrmarken-Struktur habt, ist es eines der stärksten.
Der Wechsel
Was beim Upgrade passiert, und was nicht.
Technisch ist das Upgrade unspektakulär, und das ist die gute Nachricht. Es gibt keine Migration. Euer Shop bleibt derselbe, dieselbe Adresse, dieselben Daten, dasselbe Theme, dieselben Apps. Shopify schaltet den Tarif um, die zusätzlichen Funktionen erscheinen im Verwaltungsbereich. Ausfallzeit: keine.
Was Arbeit macht, ist das Danach. B2B einzurichten heißt: Firmenkonten anlegen, Preislisten aufbauen, Zahlungsbedingungen definieren, Katalogzuordnungen setzen. Bei einem mittleren Großhändler sind das vier bis acht Wochen, je nachdem wie sauber eure Kundendaten heute vorliegen. Checkout-Erweiterungen sind Entwicklungsarbeit. Automatisierungen wollen durchdacht sein, bevor sie laufen.
Der kaufmännische Teil: Plus wird verhandelt, nicht gebucht. Es gibt einen Listenpreis, aber Laufzeit, Umsatzstaffeln und Kartengebühren sind Verhandlungsgegenstand. Wer mit einer belastbaren Umsatzprognose und Vergleichsangeboten ins Gespräch geht, verhandelt anders als wer nur fragt, was es kostet. Und die Bindung läuft meist über ein bis drei Jahre, das gehört zur Entscheidung dazu.