- Ihr wollt verkaufen und nicht dauerhaft eine Plattform betreiben
- Euer Team ist kleiner als eine eigene E-Commerce-Abteilung
- Time-to-Market zählt mehr als vollständige Anpassbarkeit
- Ein bis zehn Shops decken euren Bedarf
- Der Betrieb soll niemanden bei euch dauerhaft beschäftigen
- Ihr habt Geschäftslogik, die kein Standardsystem abbildet
- Zwanzig oder mehr Shops laufen unter einem Dach
- B2B mit tief verschachtelten Firmenstrukturen ist euer Kerngeschäft
- Ihr habt eine eigene Entwicklungsmannschaft oder einen festen Partner
- Datenhoheit und Betrieb im eigenen Rechenzentrum sind Vorgabe
| Kriterium | Shopify | Magento |
|---|---|---|
| Lizenz pro Jahr | ab €25.200 (Plus) | €20.000 bis €190.000 |
| Lizenzmodell | Listenpreis, verhandelbar | nach Umsatz gestaffelt |
| Open-Source-Variante | nein | Magento Open Source, €0 |
| Hosting | inklusive | Cloud oder selbst betrieben |
| Betriebsaufwand | praktisch keiner | dauerhaft, spezialisiert |
| Aufbaukosten | €40.000 bis €120.000 | €120.000 bis €400.000 |
| Projektdauer | 10 bis 20 Wochen | 6 bis 18 Monate |
| Shops in der Lizenz | bis zu 10 | unbegrenzt |
| B2B-Tiefe | sehr gut | maximal |
| Anpassbarkeit | im Plattformrahmen | vollständig |
| Verfügbare Fachleute | breiter Markt | knapp und teuer |
| Datenstandort | EU (Irland) und USA | frei wählbar |
| Sicherheits-Updates | automatisch | eigene Aufgabe |
| 3-Jahres-Kosten (€10 Mio.) | ~€382.000 | ~€744.000 |
Was ist was
Zwei Wege in dieselbe Größenordnung.
Shopify Plus ist die Enterprise-Stufe einer Plattform, die euch den Betrieb abnimmt. Ihr zahlt eine Grundgebühr ab 2.100 Euro im Monat, bekommt bis zu zehn Shops, native B2B-Funktionen, anpassbaren Checkout und höhere Schnittstellen-Limits. Was ihr nicht bekommt, ist Zugriff auf die Ebene darunter.
Adobe Commerce, früher Magento Enterprise, ist eine Plattform, die euch alles überlässt. Die Lizenz richtet sich nach eurem Warenwert und liegt in Europa je nach Größe zwischen etwa 20.000 und 190.000 Euro im Jahr. Dafür bekommt ihr ein System, in dem sich praktisch jede Geschäftslogik abbilden lässt, und die Verantwortung, es zu betreiben.
Dazu kommt Magento Open Source, die kostenlose Variante. Sie klingt nach dem Beste-aus-beiden-Welten-Weg und ist es selten: ohne Lizenz fehlen die Enterprise-Funktionen, die den Aufwand überhaupt rechtfertigen, und der Betriebsaufwand bleibt vollständig bestehen.
Der ehrliche Rahmen: Beide Systeme spielen in derselben Größenordnung, aber die Kostenverteilung ist völlig verschieden. Bei Shopify ist die Lizenz der Hauptposten. Bei Magento ist sie die Eintrittskarte, und der Betrieb ist der Hauptposten.
Die Rechnung
Warum die Lizenz die kleinere Zahl ist.
Wer Shopify Plus und Adobe Commerce nur über die Lizenz vergleicht, kommt zu einem falschen Ergebnis, und zwar meist zugunsten von Magento.
Was bei Adobe Commerce zusätzlich anfällt: Infrastruktur, entweder als Adobe-Cloud oder selbst betrieben, in beiden Fällen ein fünfstelliger Betrag im Jahr. Ein Aufbau, der bei mittleren Projekten zwischen 120.000 und 400.000 Euro liegt, weil praktisch alles gebaut statt konfiguriert wird. Und dann der Posten, der über die Jahre den Ausschlag gibt: laufende Betreuung durch Fachleute, die selten und entsprechend teuer sind.
Was bei Shopify Plus dazukommt: Apps, ein Aufbau zwischen 40.000 und 120.000 Euro, und die Transaktionsgebühr bei externen Zahlungsanbietern. Der Betrieb ist enthalten und erscheint deshalb in keiner Zeile.
Unsere Erfahrung aus Projekten in dieser Größenordnung: Über drei Jahre liegt Adobe Commerce bei etwa dem Doppelten. Nicht weil die Lizenz doppelt so teuer wäre, sondern weil jede Stunde Betrieb und jede Anpassung bezahlt werden muss. Das ist kein Argument gegen Magento. Es ist ein Argument dafür, den Vergleich ehrlich zu rechnen, bevor eine Entscheidung fällt, die zehn Jahre trägt.
Bei Adobe Commerce ist die Lizenz die Eintrittskarte. Bezahlt wird an der Bar.
Anpassbarkeit
Wo Magento unschlagbar bleibt.
Es gibt einen Bereich, in dem Adobe Commerce keine ernsthafte Konkurrenz hat, und der ist der Grund, warum das System weiter existiert: Geschäftslogik, die kein Standardsystem vorsieht.
Ein Beispiel aus unserer Praxis: Ein Hersteller verkauft an Händler, die wiederum an Endkunden verkaufen. Der Preis hängt vom Händler ab, vom Volumen des laufenden Jahres, von einer Rahmenvereinbarung und von der Region, in der der Endkunde sitzt. Dazu Freigabestufen ab bestimmten Beträgen und eine Provisionsabrechnung. Das ist keine Konfiguration mehr, das ist Software. Und genau dafür ist Magento gebaut: das Datenmodell ist erweiterbar, jeder Ablauf ersetzbar, jede Regel programmierbar.
Shopify Plus stößt hier an eine Grenze, die keine Böswilligkeit ist, sondern das Wesen einer Plattform. Ihr könnt sehr viel über Schnittstellen und Erweiterungen lösen, aber ihr könnt die Preisberechnung im Kern nicht ersetzen. Wenn eure Preislogik euer Wettbewerbsvorteil ist, ist das ein hartes Ausschlusskriterium.
Die ehrliche Einschränkung: Der allergrößte Teil der Unternehmen, die glauben, sie hätten solche Anforderungen, hat sie nicht. Sie haben gewachsene Prozesse, die niemand hinterfragt hat. Wir gehen deshalb im Erstgespräch jede angeblich unverzichtbare Sonderlogik einzeln durch. Oft bleiben von zwölf Anforderungen zwei übrig, und die lassen sich anders lösen.
Multi-Store
Zwanzig Shops unter einem Dach.
Das ist der zweite Bereich, in dem Magento strukturell vorne liegt, und der Grund, warum große Handelsgruppen daran festhalten.
Adobe Commerce kennt eine Hierarchie aus Websites, Shops und Ansichten. Aus einer einzigen Installation bedient ihr beliebig viele Marken, Länder und Sprachen, mit geteiltem oder getrenntem Sortiment, geteilten oder getrennten Kunden, gemeinsamem oder eigenem Lager. Ein Artikel wird einmal gepflegt und erscheint in fünfzehn Shops mit fünfzehn Preisen. Es gibt keine Obergrenze.
Shopify Plus deckt bis zu zehn Shops ab, und für Länder, Währungen und Sprachen braucht ihr oft gar keine getrennten Shops, weil Märkte das innerhalb eines Shops löst. Für die meisten Mehrmarken-Fälle reicht das vollständig. Was fehlt, ist die gemeinsame Pflege über alle Shops hinweg: bei Shopify sind zehn Shops zehn Datenbestände, die synchron gehalten werden wollen, meist über eine Zwischenschicht.
Die Grenze verläuft ungefähr hier: Bis etwa fünf eigenständige Shops ist Shopify Plus einfacher und günstiger. Ab zehn bis fünfzehn mit gemeinsam gepflegtem Sortiment wird Magento strukturell überlegen, weil die Synchronisierung entfällt, die bei Shopify eigene Arbeit ist.
Betrieb
Der Posten, der Projekte scheitern lässt.
Adobe Commerce ist ein anspruchsvolles System, und das ist keine Kritik, sondern eine Anforderung an eure Organisation.
Was dauerhaft zu tun ist: Sicherheits-Aktualisierungen, die Adobe regelmäßig veröffentlicht und die zeitnah eingespielt werden müssen. Versionswechsel, die Anpassungen an euren Erweiterungen erfordern. Infrastruktur, die überwacht und für Lastspitzen vorbereitet wird. Leistungsoptimierung, weil Magento ohne sorgfältige Zwischenspeicherung langsam wird. Das ist keine Aufgabe nebenbei, das ist eine Rolle.
Dazu kommt die Personalfrage. Magento-Fachleute sind knapp und entsprechend teuer, und der Markt ist seit dem Übergang zu Adobe kleiner geworden. Wer heute ein Magento-Projekt startet, muss die Frage beantworten, wer es in fünf Jahren betreut. Wir haben Unternehmen übernommen, deren Shop funktionierte, aber seit zwei Jahren niemand mehr anfassen wollte.
Bei Shopify Plus existiert diese Kategorie nicht. Es gibt keine Sicherheits-Aktualisierungen für euch, keine Versionswechsel, keine Infrastruktur. Ihr könnt einen Umsetzungspartner wechseln, ohne dass der Shop stillsteht. Das ist für viele Unternehmen der eigentliche Grund für die Entscheidung, und er taucht in keinem Funktionsvergleich auf.
Die wichtigste Frage bei Magento ist nicht, wer es baut. Es ist, wer es in fünf Jahren noch anfasst.
Migration
Von Magento zu Shopify, und was dabei wehtut.
Das ist die Richtung, die wir fast ausschließlich sehen. Die Gründe sind selten technisch: der Betrieb bindet zu viele Ressourcen, die Weiterentwicklung dauert zu lang, oder die Betreuung ist weggebrochen.
Was gut geht: Produkte mit Varianten und Attributen, Kunden mit Adressen und Gruppen, Bestellhistorie, Inhaltsseiten. Das ist Fleißarbeit mit klarem Ablauf und beherrschbarem Risiko.
Was wehtut, ist immer dasselbe: die über Jahre gewachsene Sonderlogik. Jede Erweiterung, die jemand einmal geschrieben hat, jede Regel, die in einem Ablauf steckt, jede Besonderheit, die niemand mehr erklären kann. Diese Dinge lassen sich nicht übertragen, sie müssen neu entschieden werden. Und genau dort entscheidet sich, ob ein Migrationsprojekt vier Monate oder vierzehn dauert.
Unser Vorgehen: Wir beginnen nicht mit den Daten, sondern mit einer Bestandsaufnahme jeder Sonderlogik. Für jede Position wird entschieden: bleibt sie, entfällt sie, oder wird sie anders gelöst. Erfahrungsgemäß entfallen dabei vierzig bis sechzig Prozent, weil sie Antworten auf Probleme sind, die es nicht mehr gibt. Dieser Schritt ist unbequem und der wichtigste im ganzen Projekt. So läuft eine Migration bei uns ab.